Du läufst die Straße runter und Baby, du bist heiß!
Nicht nur die Männer schauen dir hinterher, auch die Frauen können ihre Blicke nicht von dir lassen. Doch keiner traut sich, dich an zu lächeln, aus Angst, dass es nicht erwidert wird.
Du bist groß, schlank, schön. Deine nackten Oberarme haben die perfekte Größe, genau wie dein Busen. Dein Hintern ist knackig und die deine Fußnägel im passenden Ton zu den Stilettos, deinem Gürtel und deiner Tasche lackiert. Der Wind weht durch deine Haare, langsam und vorsichtig, damit das Make up bloß keinen Kratzer abbekommt. Deine Designer-Sonnenbrille kennen die meisten hier nur aus der Zeitschrift. Sie war wohl nur halb so teuer wie deine Schuhe, die mindestens ein oder zwei meiner Bruttogehälter schwer sind. Du wirkst nicht arrogant, nein, du bist einfach nur da. Und du bist wunderbar. Perfekt, reich, schön, bestimmt unheimlich intelligent. Unantastbar.
Du schreitest daher.
Der Bürgersteig würde sich wohl am Liebsten für dich in einen roten Teppich verwandeln. Vermutlich fährst du ein tolles Auto und wirst nie geblitzt. Und selbst wenn, würden die Beamten es wohl lieber selbst behalten, als es dir das Foto zu zusenden. Bestimmt hast du auch eine atemberaubende Wohnung mit großen Fenstern und weißen Möbeln, die nie dreckig werden. Ich weiß genau, dass du nicht arbeitest – die meiste Zeit lässt du arbeiten. Aber auch, wenn du mal die ganze Nacht im Büro bleiben musst, bist du diszipliniert genug, nicht rumzunörgeln. Dein Leben muss von Schönheit und Leichtigkeit geprägt sein. Du verkörperst Hollywood, das perfekte Covergirl, die perfekte Frau. Ganz sicher. Man empfindet keinen Neid, weiß aber, dass man gar nicht versuchen braucht, dir nachzueifern, weil man nie so sein wird, wie du bist. Nie.
Doch jetzt bist du erstmal ein ein Schlagloch getreten.
Und umgeknickt. Deine Sonnenbrille ist auf den Boden gefallen, neben deine Clutsch Tasche, die dabei aufsprang und dessen C&A Etikett man jetzt sehen kann. Der Absatz ist abgebrochen, aber wir wissen ja, dass man Gracelands überall für kleines Geld kriegt. Ein Passant hilft dir auf und gibt dir deinen Twingo-Schlüssel mit dem Anhänger „totally sexy“ zurück. Der Gucci-Gürtel ist hin, was aber nicht schlimm ist, wie du laut los schnatterst, weil es eh nur ein billiger Fake aus der Türkei war. Deine schrille Stimme verschlägt dem armen Mann noch mehr die Sprache, als diese überflüssige Information. Und jetzt fängst du auch noch an laut loszugackern. Deine süßen Kaugummis sind aus der Vorratspackung auf den Boden gefallen, aber lässig wie du gerne wirken würdest, nimmst du sie auf, schmeißt dir gleich zwei davon in den Rachen, schmatzt los, während du glaubst, die Situation mit einem „Ha ha, passiert!“ herunterspielen zu können.
Nicht nur die Frauen, auch die Männer drehen sich langsam wieder um, belächeln deine Aktion und verwerfen jede Art der Bewunderung. Doch fragen sie sich heimlich, ob sie dich, auch wenn es falsch gewesen wäre, nicht lieber in anderer Erinnerung behalten hätten oder ob sie es dir gönnen, weil sie selbst sich jetzt weniger schlecht fühlen brauchen, weniger unperfekt.
Juli 16, 2009 um 11:29 |
Sagte ich Ihnen ja gestern schon: Ich liebe diesen Eintrag. Den hätte man auf so viele Weisen verhunzen können, aber Sie sind an jeder Klippe vorbeigesegelt.
Chappi, oder wie das französische Wort für Bravo auch heißt.