Archiv für Juli 2009

Kunst

Juli 27, 2009

„Kann das weg oder ist das Kunst?“ Dieser Satz könnte von mir stammen. Von Kunst habe ich keine Ahnung. Wenn ich den weißen Punkt auf der weißen Leinwand nicht deuten oder verstehen kann, weiß ich, dass es im Zweifelsfall wohl Kunst sein wird.

Samstagabend trafen sich in Hannover die üblichen Verdächtigen auf ein Bier. Die eine da, die kannte ich nicht. Aber nett war sie. Und lustig. Die hat ne Schraube locker, wie sympathisch! Sie studiert Kunstwissenschaften in Kassel. Ob man da zum Abschluss auch direkt den Taxi-Schein dazu bekommt?, frage ich mich heimlich, bin aber weder in der Laune, noch in der Position, so einen Spruch -wenn auch nur als Witz gedacht- rauszuhauen.

Sonntag hat sie Zeit. Ich auch. Das passt. Sie geht in so eine Kunstausstellung im Kunstverein. Und ich komme gerne mit. Erst als wir da sind, merke ich, dass ich diese Ausstellung schon gesehen habe und für Schwachsinn Pille Palle No-Sense Kunst befunden hatte. Nun denn, wir liefen so dadurch, quatschen über dies und das, und manchmal –einmal– konnte ich ihr sogar was zu so einem Werk sagen.

Später tranken wir noch einen Kaffee und sie erwähnte, dass sie noch eine Rezension schreiben müsse, das sei aber nicht so schwer. Und wie würde schreiben, dass… Und los ging’s: Während ich schon wieder den Namen des Ganzen vergessen hatte, zog sie nun die Bezüge. Erklärend, nicht belehrend, ging sie noch mal jedes Projekt durch und setzte es in Zusammenhang mit dem Thema und brachte Licht in den dunklen Raum, den ich noch nicht betreten hatte. Ohne es zu ahnen, weckte sie mein Interesse für die für mich bisher leeren Rahmen.

Sie, so alt wie ich, wusste Bescheid. Es war ihr Gebiet. Sie kann bei Diskussionen mitreden, aus denen ich mich zurückziehen würde, aus Angst mich bis unter die Knochen zu blamieren, weil ich nur mit Ahnungslosigkeit glänzen würde.

Was für eine interessante Person. Und wie wunderbar, dass sie Kunstwissenschaften studiert.

Auf ein Käffchen…

Juli 24, 2009

Kaffee ist nicht irgendein Getränk, so wie Eistee, Mineralwasser oder Coke Zero. Kaffee ist ein Getränk, das eine eigene Lebensphilosophie widerspiegelt. Zu Kaffee setzt man sich zusammen, schnackt und hat ein Stück Kuchen. Eigentlich.

Das war wohl der Kaffee früher, bei Tante Erna, immer sonntags. Heute gibts Kaffee fast nicht mehr in diesen tollen runter-drück-Kannen, deren richtigen Namen ich nicht kenne, oder aus der Filtermaschine. Oder so wie es die Mutter eines Freundes immer macht, mit kochendem Wasser und Filter selbst aufgeschüttet.
Kaffee ist nicht mehr gleich Kaffee. Kaffee gibt es längst in allen Variationen: mit viel Milch, mit wenig, mit warmer oder kalter, mit Extra-Shot Espresso, mit Schokolade, Caramel, Vanille, Hokus und Pokus.

Oder ganz simpel: Die Senseo für den Singlehaushalt. Ein Knopfdruck und brrrrrrrrrrrrrrr fertig ist der Kaffee. Eigentlich ja eine sinnvolle Sache. Darum haben wir Kinder, als wir auszogen, so ein Ding auch für Väterchen besorgt, weil er immer noch jeden Morgen eine halbe Kanne Kaffee aufsetzte, aber schon längst das Haus verlassen hatte, als sie durchgelaufen war.

Anfangs fand ich diese Pad-Geschichte auch ganz witzig. Doch dann verging es. Weil es für mich irgendwie was mit beeilen, keine Zeit haben, zu tun hat. Man hat nicht die Zeit, die Maschine anzuschmeißen, die Zeitung aufzuschlagen und dann in Ruhe zu warten, bis der Kaffee eine trinkbare Temperatur hat. Und es duftet auch nicht so. Außerdem schmeckt so ein Kaffee immer etwas zu bitter und kühlt relativ schnell ab. Finde ich.

Natürlich gibt es auch die ganz tollen Maschinen, die ganz selbstständig Milch erhitzen und sie dann aufgeschäumt auf dem Kaffee dekorieren und ihn mir quasi mit einem „Guten Morgen Schatz, du siehst umwerfend aus, dein Tag wird wundervoll und ich warte auf dich, egal, wann du nach Hause kommst“ servieren. Die sind auch klasse, diese ‘Apparate’, ich würde die Maschine bestimmt nicht wegwerfen, wenn man sie mir nachts heimlich mit oder ohne roter Schleife vor die Tür stellen würde. Trotzdem gilt meine Liebe dem Filterkaffee.

Darum trinke ich den auch den ganzen Tag hier in der Agentur, eimerweise. Schwarz – natürlich.

So lässt sich der Morgen wunderbar beginnen: In der Lounge Frühstück besorgen, hoch, Rechner anmachen, Wasser und Kaffee holen, einloggen und während man die ersten Emails liest, hier und da ein Schlückchen Kaffee. Wunderbar.

Oder stundenlang mit der Freundin in der Küche sitzen, eine nach der anderen rauchen und ständig nur Kaffee nachfüllen. Nicht jedes mal zur Maschine laufen müssen… Hach, Kaffee, du machst mich nicht wach, aber glücklich. Lebendig.

Wenn ich dann aber mal bei Starbucks vorbeischaue, muss ich auf so einen Mocha zurückgreifen: Ausnahmen bestätigen die Regel und die Seltenheit macht es besonders. Trotzdem würde ich niemals meinen schwarzen Kaffee am Morgen gegen so eine Schokoladengeschichte tauschen… Und ein Coffee-To-Go ersetzt auch keinen Kaffee am Frühstückstisch.

Die im Büro, die auf Facebook…

Juli 22, 2009

Ich bin keine Team-Leiterin, ich halte keine Präsentationen, mit mir verhandelt man nicht über Etats und Stunden. Nein, ich bin von Montag bis Freitag Praktikantin. 
Ich bin die, die anruft und erstmal übers Wetter redet, bevor es ans Geschäftliche geht. Die, die immer mit „Freundliche Grüße aus Hamburg“ ihre Mails abschließt, die immer gerne nett und freundlich bleibt.
Zu den Proofs schicke ich immer eine „persönliche Notiz“, damit der Umschlag nicht so leer und unpersönlich ist.

Und dann bin ich noch die, die im Bikini in Österreich am Fluss liegt, auf Verbindungsbällen in München den Knotentanz tanzt, die Karneval als höchsten Feiertag des Jahres vorschlagen würde und angesöselt –ich liebe ja Verniedlichungen– twittert oder den Facebook-Status ändert.

So, wie ich auf Facebook nichts über Motive neuer Kampagnen berichte, so wenig möchte ich, dass Kunden wissen, dass ich am Wochenende ohne Zigarette nicht zu sehen bin, dass ich auf Fotos getagged werde, auf denen ich nicht den aktuellen Schönheitsidealen entspreche und einer Freundin auf der Pinnwand schreibe „Ich werde nie wieder trinken. Nie wieder hört morgen Abend auf. Bis dann.“

So ist das aber im Internet, mag man sagen. Mag ich aber nicht. Darum werde ich mir die Tage ein Xing-Profil anlegen, damit mich Leute, mit denen ich zusammenarbeite und von denen ich nicht möchte, dass sie so einen Einblick in mein Privatleben bekommen, dort adden können.

Bis dahin hoffe ich auf Verständnis meines Gegenübers, dass ich die Freundschaftseinladung auf Facebook sehr zu schätzen weiß, sie aber nicht annehmen möchte, da ich es ihm und mir ersparen will, das „Out-Of-Office-Ich“ kennenzulernen, das auf dem BAC ein Glas Bier küsst, eine Zigarette in der Hand hält und im bunten Blumenröckchen peinlich rumspringt.

 

Freundliche Grüße aus Hamburg

Happy-Pills und das Prinzip der Marktwirtschaft

Juli 21, 2009

Neulich auf einer Party, lernte ich jemanden kennen. Passiert manchmal auf Partys. Er war echt nen netter Kerl, gerade in seine eigene Bude gezogen, weil kurz zuvor sein Opa gestorben ist, um den er sich bis zuletzt gekümmert hat. Wir quatschen über dies und das, die Obama-Kampagne und wie alle dem „Yes, we xyz“ hinterherliefen, über Frauen, die nicht auf Absatzschuhen laufen können und über Sex mit dem Ex. Hier und da ein Bierchen, passt doch. Doch dann irgendwann griff er in seine Tasche und holte kleine Pillchen raus… und verschlug mir die Sprache.

„Was ist das?“, fragte ich. Denn die Dinger waren nicht einfach lila und hatten einen Smilie aufgedruckt. Sie waren abgepackt und bedruckt.

„Antidepressiva“, antwortete er und grinste. „Willste?“

Ich lachte. „Nein, nein, ein neues Bier sollte reichen.“

Er packe sie wieder weg.
Komisch.
Hä? Versteh ich nicht.

„Sind das deine?“

„Nö“, lächelte er, zog an seiner Zigarette. „Die sind von meinem Oppa.“ Er pustet den Rauch raus, guckt auf den Boden und sieht mich dann an. „Der hat das Zeug massenweise verschrieben bekommen. Und Schmerzmittel. Ganz schön krasser Scheiß!“

Aha.
Hm.
Tz.
Wat? 

„Und, was genau machst du dann damit?“

„Ich verkauf sie.“

Feli, lauf. Komm, der Typ ist durch. Dreh dich auf dem Absatz um, such deine Freunde zusammen, täusch einen Herzinfarkt vor, aber sieh zu, dass du hier wegkommst.
Nein, Feli. Bleib. Dazu muss Stellung bezogen werden.

Verständnislos schaute ich ihn an.

Genug meiner Freunde litten an Depressionen und hatten schon vor ihrem 20. Lebensjahr die verschiedensten Medikamente und Therapeuten hinter sich. Davon ab ist ein Familienmitglied Mediziner und der so freundlich und hat mich damals mal kurz über diese kleinen Happy-Pills aufklärt, über ihre Nebenwirkungen, und was es mit dem Körper macht. Live mit ansehen konnte ich, was passiert, wenn man Antidepressiva ohne Absprache mit dem Arzt absetzt und was passiert, wenn die Krankheit unterschätzt wird und man das Leben mehr fürchtet als den Tod. Und zweites wählt.

Und jetzt steht dieser Typ vor und lässt seine BWLer-Kenntnisse raushängen:

„Weißte, ist doch kein Thema. Ich nehm’ das ja nicht selber.“

Ich schaue ihn schweigend an. Aber nicht freundlich leise oder gar interessiert, eher so… angepisst still.

„Weißt du“, klugscheißert er los. „Das ist eine Sache von Angebot und Nachfrage. Und die Nachfrage ist groß. Und ich hab das Angebot. Und damit lässt sich ne Menge Geld machen… und wenn man Leute kennt, die’s haben wollen… Ist doch ein super Tauschgeschäft.“

Für mich ist es keine Sache von Angebot und Nachfrage, für mich ist es eine Sache von Verantwortungslosigkeit und Dummheit. Und so jemand studiert… tz.

„Naja“, werfe ich ein. „Mit Heroin lässt sich auch ne Menge Geld verdienen.“

„Ja, aber mein Großvater hatte eben kein Heroin in seinem Nachschränkchen.“

Maximales Ausrasten wäre angebracht, aber reiße mich zusammen. Wie ich bin, werfe ich kurz meine moralischen Bedenken zu dieser Geschäftsidee ein.

Vor mir steht jemand in TH-Polo, RL-Jeans und Armani Uhr. Er hat keine Geldsorgen. Und darum geht es ihm nicht, aber es wäre doch wirklich schade, wenn man das Zeug wegwerfen würde.

Es sind verschreibungspflichtige Medikamente, kein Teebaumöl, keine Aspirin. Das sage ich ihm auch. Und, dass ich ihn für ein Arschloch halte.

„Jaja, das dachte ich mir.“, sagt er. Gar nicht klugscheißisch, sondern fast einsichtig. „Und ich finde es auch richtig, dass du es nicht gut findest.“ Ändern tut das an der Sache aber auch nichts.

Verkauf Gras oder handele mit Dublo-Stickern, aber Amitriptylin und Co. finde ich nicht mehr lustig.

Viel zu krass für mich, weil er sonst wirklich nett war. Vielleicht hat er selbst schon zu viel von dem Zeug gefressen, wer weiß?
Schade um ihn.
Und schade um seinen Opa, der sich sicherlich im Grab umdrehen würde, wenn er wüsste, was der Kleine dort veranstaltet und das Prinzip der Marktwirtschaft vor das Prinzip der Fürsorge um Freunde stellt.

Die Sache mit dem Glücklichsein

Juli 20, 2009

Nachdem ich ja jetzt herausgefunden habe, dass Handtaschen und Schuhe zwar einen entscheidenden Beitrag zum Glücklichsein sein können, aber doch nicht alleine glücklich machen, überlege ich, was es sonst noch so sein könnte.

1. Gedanke: ein dazu passender Gürtel!

2. Gedanke: Feli, du konsumgeiles Stück!

3. Gedanke: Nein, eigentlich ist das ein normales Verhalten bei Frauen.

4. Gedanke: Klischees sind keine Entschuldigung!

5. Gedanke: Du schweifst schon wieder ab.

Fazit: Nicht denken, machen.

Ich drehe mich um, sehe, dass er noch schläft. Ruhig und friedlich. Vorsichtig kuschel ich mich wieder an ihn, küsse ihn noch einmal auf die Stirn, streiche über sein Gesicht, lege meinen Kopf auf seine Schulter, meinen Arm um seinen Bauch.

Letzter Gedanke, bevor ich einschlafe: Schuhe, Taschen und Gürtel… braucht doch kein Mensch…

Ein bisschen Hamburg

Juli 20, 2009

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Der Betreff ist Programm

Juli 16, 2009

Keep short and keep it simple. Eine ganz klare Ansage. Aber was zu viel ist, ist zu viel. Oder vielleicht eher: Was zu wenig ist, ist zu wenig.

SMS war der Anfang, schreib was du willst auf 160 Zeichen, Twitter fordert 140 Zeichen. Anstatt jedes mal irgendwo vorbeizugehen, um zu fragen, was denn mit irgendwelchen Sachen ist, ruft man an. Kein Spaß: Die Kollegin und ich telefonieren manchmal 5 Minuten miteinander bis dann einer sagt „Warte, ich komm mal kurz rum“. Eigentlich könnten wir auch einfach ein kleines bisschen lauter sprechen und würden uns so hören. Oder einfach mal aufstehen und eine Tür weitergehen… Der Mensch ist so bequem.

Weiter geht es, dass man Emails schreibt, um zu fragen, was die Kollegen zu Mittag machen.

„Hey,
heute Mittag an die Elbe? Wer ist dabei?“

CC geht das an 2 Leute. 5 Emails rauschen hin und her, wie immer trifft man sich um 1 vorm Fahrstuhl.

Doch gerade habe ich es wirklich kurz gehalten und eiskalt einem Kollegen eine Email geschrieben. Eigentlich habe ich gar keine Email geschrieben, sondern nur die Betreffzeile ausgefüllt.

Betreff

„SENDEN“ klick. 

Spinne ich? Nur weil ich jetzt eilig habe? Kann ich nicht mal „Hallo! Wie gehts dir? Wie ist der Tag?“ fragen, bevor ich mein Anliegen vortrage?  
Es ist, wie Markus Mayr es schonmal gebloggt hat:

„Nach dem Brief kam die E-Mail, und die saloppe Schreibe nahm Einzug in den Schriftverkehr. Anreden wurden “vergessen”, Smilies ersetzten erklärende und oft umständliche Formulierungen, um Ironie in Sätzen deutlich zu machen, und Verabschiedungen “mit freundlichem Gruß” fielen der Hektik dem Stress ohne Grund zum Opfer.“

Und noch bevor ich seine Antwort, die übrigens in das dafür vorgesehen Textfeld geschrieben wurde, lese, fällt mir ein, dass er doch heute früh getwittert hat, dass er gar nicht in der Stadt ist. Ordnungsgemäß, mit 140 Zeichen.

„Wo der alte Schlossturm steht…“

Juli 15, 2009

Ich habe mich EXTRA nicht in Düsseldorf beworben, für eine Uni, meine ich, weil ich nicht zurück will, obwohl ich diese Stadt ja so abgöttisch liebe. Ich habe mich damit abgefunden, dass ich in Hamburg bin und dass es hier auch gut ist. Sehr gut sogar. 

Aber jetzt wechselte einer meiner Kollegen in den Standort nach Düsseldorf und postete heute auf Facebook das hier: Rhein

Ja, schön, ist ja nichts weiter gegen zu sagen. Hübsch, dort. In Düsseldorf. Am Rhein. Da, wo ich mit meiner Freundin und den Hunden so oft langging, da geht übrigens auch die Autobahn ab, da in der Nähe. Da, wo einer, den ich kenne, neulich hingezogen ist. 5 Minuten von dieser Stelle entfernt, war mal ein Portugiese, der hatte einen super Wein, ist aber leider pleite gegangen. Können meine Freunde und ich uns bis heute nicht erklären. Da in der Nähe, da ist das Chateau Rixx, da sind wir auch schon ganz oft versackt und dort habe ich in meinen 21. Geburtstag reingefeiert. Da ist Oberkassel. Da ist Düsseldorf. Und ich bin hier.

Und plötzlich ärgert es mich ungemein. Plötzlich scheiße ich auf Hamburg, auf die A2 oder A1, alles was dazwischen liegt. Auf Astra und Elbe, Schanze und Straßenschlachten. 

Plötzlich will ich wieder zu meinem kleinem Hündchen, ihn frei am Rhein laufen lassen und mit meiner Freundin rumlungern. 

Tschüss Schade, so ist das. 

Und ich weiß, dass ich in Düsseldorf jetzt aus dem Fenster gucken würde und mich fragen müsste, was wohl wäre, wenn ich weggegangen wäre – und bin froh, dass ich hier bin.
In Hamburg.
Und nicht in Düsseldorf.
Obwohl es da auch schön ist.

Die Sache mit der „guten“ Klamotterie

Juli 15, 2009

Es ging zum BAC*. „Deine Klamotten kannste danach wegwerfen.“, hatte mir ein Kollege erklärt. „Nimm’ bloß nichts Gutes mit.“ Kein Problem, dachte ich. Doch als ich vor meinem Kleiderschrank stand, merkte ich, dass das gar nicht so einfach war. 

Definieren wir „Gutes“. „Gutes“ ist für mich nicht gleich unbedingt schick oder teuer. „Gutes“ liegt mir am Herzen. Geschätzte 20 Blusen, die man nicht mitnehmen sollte, die Stoffhose für Samstagabend schon, aber welches T-Shirt für die Zugfahrt und den Partyabteil?
Es ist relativ egal, wie man da aussieht, da gibt es kein „Das ist Ton in Ton“ oder „Ach, die Farbe der letzten Saison“, keine Schlacht der Designerschuhe, kein Statussymbol-Weitwerfen. Nein. Auf dem BAC herrschen andere Regeln. 
Zwar bekamen wir Agentur-T-Shirts, aber selbst da würden mich Zigarettenlöcher ärgern. Im Nachhinein. Vielleicht. 

Nachdem ich monatelang die Einkaufsstraßen Hamburgs zu den regulären Öffnungszeiten gemieden habe, blieb mir nur nichts anderes übrig: Es mussten Sachen her, die mir nichts bedeuteten. Wer oder was eignet sich für solch einen Einkauf besser als unsere schwedischen Alles-Designer Hennes & Mauritz?! Zack, neue Hose, neue Tank Tops, ein fragwürdiger Blumenrock und ein pinker Hut, der eigentlich nicht passte, aber gekauft werden musste, weil er nun mal pink war.

Brandlöcher gab es übrigens keine, Zigaretten trafen mich immer nur direkt am Arm, was aber irgendwie auch gleichgültig war: War ja keine Absicht! Und natürlich erfreute sich der pinke Hut  größter Beliebtheit. Vor allem im Partyabteil. 

Als ich am nächsten Tag in meinem Low-Budget-Outfit auf dem BAC Gelände auftauchte, stellte ich fest, dass ich den pinken Hut verloren hatte. Nicht so schlimm. Kurz darauf war auch die Hawaiikette weg. Zum Glück kein großer finanzieller Verlust. Gott sei Dank war das nichts „Gutes“, was ich da schon wieder verbimmelt hatte. Wie schlau, bei so einem Event nicht viel zu investieren. Literweise Wasser wurde auf die Klamotten geschossen, hier und da ein Tröpfchen Bier, alles halb so wild, kurz in die Waschmaschine und selbst wenn nicht: egal. 
Aber geärgert hätte ich mich, wenn die kleine lila Mandarina Duck Tasche verletzt oder umgekommen wäre. Denn farblich und sowieso passte sie so einwandfrei, dass ich bei so einem Event unmöglich auf sie verzichten konnte… Irgendwas „Gutes“ muss das ganze ja haben.

 

 

* Bauer Agency Cup: Dieses Jahr in Köln. Zusammengefasst: Werbeagenturentreff zum Fußballspielen, Cheerleadern und Feiern. Irgendwie stimmt die Reihenfolge nicht…

Was ich werden will

Juli 12, 2009

„Naja, 23 ist ja auch schon so ein Alter… da haben andere schon… „

„Jaja, ich weiß. Mit 23 haben andere schon einen Entzug hinter sich, ein Kind in diese grausame Welt gesetzt oder leben wenigstens auf der Straße. „, beende ich den Satz, drehe mich auf dem Absatz um und gehe. Weil ich keinen Bock mehr habe auf schwachsinnige Gespräche, mit Menschen, die immer wussten, was sie wollten. Die alles immer richtig gemacht haben, die wissen, wo der Hase lang läuft, die alles wissen.
Alles, was ich nicht weiß.

Mit 9 wollte ich Mode-Designerin werden, weil ich für meine Barbie-Puppen immer so tolle Kleider gebastelt habe. Dann wollte ich Tierärztin werden, weil ich so ein tolles Vorbild hatte und die OPs so gut fand. Mein Englisch-LK-Lehrer meinte, ich solle Bundeskanzlerin werden – aber mal ehrlich: die Krise hätte ich auch nicht verhindern können. Ich hätte ewig in der Schule bleiben können, da war immer was los, immer erzählten die Lehrer einem was neues. War doch super! Was für eine glückliche Zeit. Aber es kann ja nicht ewig so weitergehen.

So wie ungefähr jedes 16jährige Gör aus Düsseldorf, hielt ich mich für überdurchschnittlich kreativ. Was also tun? Werbung. Werbung fand ich schon immer gut. Also Werbung dann. So mit so kaufmännischem Gedöns. Joa, gut wars. Aber vielleicht doch nicht meins. Obwohl es mich insgesamt schon glücklich machte. Darum erzählte ich den Spinnern Vögeln grrrr! Prüfern von der IHK, dass ich das mit der Werbung wohl lieber sein lasse und ins Radio gehe… oder so. Ich bin nicht ins Radio gegangen… oder so. Ich hatte das unverschämte Glück, dass mich eine große Werbeagentur in Hamburg für ein 6 monatiges Praktikum antanzen lies. Und ich mag es. Es ist anders als in der ersten Agentur, aber es ist ganz cool. Großartig. Für 6 Monate aber nur. Denn studieren wollte ich ja auch noch. Es kann nicht einfach alles so bleiben wie es ist. Denn das reicht mir nicht.

In 3 Tagen ist die Bewerbungsfrist für die Winterstudiengänge vorbei. Bisher haben meine Unterlagen den Weg nach Köln, Hamburg, Siegen (jaha, lieber verlieren als nach Siegen), Stuttgart und Münster geschafft. Und jetzt gerade bewerbe ich mich weiter.

Auf die Frage, was ich denn studieren möchte, weiß ich nicht, was ich sagen soll und witze dann „Irgendwas mit Medien.. ha ha ha!“ rum. Und schiebe dann „Medien- oder Kommunikationswissenschaften“ hinterher. Wofür? Keine Ahnung.

Ganz ehrlich: ich habe keinen blassen Schimmer. Klar ist dieses Agenturkinddasein geil, es ist super. Ja, sogar Praktikantin sein ist echt witzig. Aber auf ewig diesen Beruf? Zusätzlich zu meinen eigenen Zweifeln kommen in regelmäßigen Abständen andere zu mir, die mich fragen, warum ich in der völlig falschen Abteilung arbeite.

Ich dachte immer, dass das alles einfacher wäre: Man geht die Schule, schließt erfolgreich ab, studiert, weil man ja mittlerweile weiß, was man will und was man kann, sucht einen Job und fertig.

Am Liebsten würde ich jetzt noch mal ein Jahr in die USA, auf Kids aufpassen und nen bisschen rumfeiern. Wird aber nichts, weil ich mein USA Jahr schon hatte. So ein Selbstfindungsjahr wäre vielleicht ganz gut, aber warum sollte es mehr bringen als die letzten 23 Jahre „Selbstfindung“?

Jura nein, Medizin nein, Garten- und Landschaftsarchitektur lieber nicht, Lehramt fällt wohl auch eher aus, Sprachen und Mathe eh, für irgendwas mit Politik oder Wissenschaft mangelt es mir an Interesse. Und für Modezeug habe ich auch kein Händchen.

Mit 9 wollte ich Designerin werden,

mit 11 Tierärztin.

Mit 16 Werbeschnittchen und jetzt will ich nur eins werden, wenn ich groß bin:

glücklich.

So wie jetzt. Aber es kann ja nicht alles so bleiben wie es ist. Denn da ist bestimmt immer noch irgendwas mehr, was weiter bereichert, weiter freut, weiterbringt. Weiter, immer weiter… Und wenn es diese Tür nicht ist, dann bestimmt die nächste.