Archiv für Juni 2009

Ein Leben wie ein Bahnhof

Juni 30, 2009

Am Bahnhof ist immer was los. Züge fahren (meistens), Schilder leuchten und Lautsprecher dröhnen. Und dann sind da noch die Menschen. Und die verhalten sich alle unterschiedlich.

Manche kommen an, andere fahren ab, alleine oder in Gruppen, Geschäftsleute ebenso wie die Damen vom Kegelclub Nord, die ihre Handtaschen mit kleinen Sektchen und Butterbroten voll gepackt haben und schon am Abfahrtsort die 2,0 Promillegrenze überschreiten – hihihi… giggel giggel.

Und dann gibt es noch eine besondere Spezies: Die Pärchen.

Sie halten Händchen, sich im Arm oder knutschen noch mal kurz rum. Oder auch nicht. Manche telefonieren, drücken nur kurz ein Küsschen auf die Wange und verschwinden, sobald der Zug einfährt. Andere bleiben und winken. Manche drehen sich um und tippen etwas wie „ich vermiss dich jetzt schon voll doll“ ins Handy und lächeln leise. Wieder andere streiten sich, schauen verletzt nach links und rechts, wollen sich aber noch vertragen, bevor sie sich ein paar Tage nicht sehen. Wieder andere lachen einfach und erzählen sich noch ein bisschen was.

Bis der Zug abgefahren ist, jeder seine Seite umschlägt und ein neues Kapitel anfängt.  
Und neue Leute das Gleis füllen und auf den nächsten Zug warten.

Ja, in so einem Bahnhof ist es wie im wahren Leben.

Für mehr Eiszeit

Juni 26, 2009

Eigentlich hatte ich nur mal wieder Lust auf Fernsehen an diesem verregneten Tag. Leider habe ich aber keine Glotze. Zum Glück wusste ich aber, wer so einen Apparat bestizt und dass man sich ja mal schön für ein paar Stündchen einladen könnte, so zum Abschalten und rauskommen.

Er stieg in mein Auto und wir fuhren zu ihm. Er hatte mitbekommen, dass ich nicht ganz auf der Höhe war. Aber er hat es geschafft, es geschickt anzufragen, ob alles ok sei… und so. Und ich weiß nicht, ob es wegen mir oder einfach so war, aber gab er mir genau das, was ich brauchte: Zeit.
Und Eiscreme.

Eigentlich ging es mir gar nicht so schlecht. Wenn es einmal raus ist, ist es raus. Und das war es ja. Ich wollte auch gar nicht darüber reden, weil es durch war –ich nicht mehr– aber das Thema. Und doch kam es dazu. Nach Nudeln mit Pesto und etwas Zeit zum Auftauen. Es gab keine „Achja, das wird“-Aussagen oder „Du machst das schon“. Es gab erst mal gar nichts. Aber es gab Platz zum Reden. Und Verständnis. Und Fragen. Und so viel interessantes und so viel Ehrlichkeit, so viel Einsicht in sein Leben und Neues, womit ich nicht gerechnet hätte. Und es gab kein Handy, das klingelt, weil ich meins im Auto vergessen hatte und seins aus war. Irgendwie ja auch mal wunderbar, diese Ruhe. Nur der Fernseher, der durchgehend nur Müll erzählte, füllte manchmal den Raum, wenn ein kurzes Schweigen eintrat. 

Und nicht zu guter Letzt gab es etwas, wonach ich mich eigentlich schon so lange sehnte: Häagen Dazs Eis. 

Nach 4 Stunden verlies ich seine Wohnung, es war schon wieder spät.
An diesem wunderbar warmen Abend.

Keine Erwartungen

Juni 25, 2009

Hoffe das Beste, erwarte das Schlimmste. Jeder kennt diesen Spruch und gerade bei aufgezwungenen Parties, langweiligen Meetings und anderen kleinen Katastrophen ist es das Einzige, was einem an Leben hält. „Damit man sich noch über das gar nicht soooo schlimme Ergebnis freuen kann.“ und „Weil es nie sooo schlimm ist, wie man befürchtete.“ Eigentlich ja richtig, aber ist es wirklich gut, nichts mehr zu erwarten, um wirklich nicht enttäuscht zu werden? 

Ist es richtig zu erwarten, dass er oder sie nicht anrufen wird? Ist es richtig zu erwarten, dass der Job oder das neue Projekt echt scheiße wird? Ist es richtig, sich darauf einzustellen, dass der/die Liebste sich bestimmt nicht zu der neuen Frisur, Hose oder Bildgestaltung an der Wand äußern wird? 

Und ist das nicht unheimlich frustrierend? Auf der einen Seite ja nicht, weil man sich darauf eingestellt hat. Aber bleibt nicht immer noch ein kleiner Funke Hoffnung, der dann stirbt und ein kleines bisschen Enttäuschung, die dann wächst? 

„Wer sich auf andere verlässt, wird verlassen.“ Natürlich gibt es Dinge, die man einfach selbst regeln sollte. Man sollte mich nicht an den Herd stellen, wenn man mit einem Essen alle begeistern möchte und man sollte mich auch nicht Wein aussuchen lassen, weil ich nach Etikett wähle und von dem sachlichen Inhalt der Aufschrift nichts verstehe. So was sollte man lieber selbst machen.

Aber es gibt andere Dinge, die man erwarten kann. Ein bisschen Höflichkeit, eine kleine Geste, ein kleines bisschen Feingefühl, einen Ticken Einsicht – je nach Situation kann man einfach ein Stück Menschlichkeit erwarten. Von anderen, aber auch von sich selbst.

Man kann von mir erwarten, dass ich anrufe und nachfrage, wie das Bewerbungsgespräch gelaufen ist, man kann auch von mir erwarten, dass ich, wenn ich Freunde frage, wie es denn so geht, kein „jaja, läuft“ hören möchte, sondern eine ehrliche Antwort. Natürlich frage ich auch jeden Taxifahrer, wies ihm geht, so zum Einstieg für ein lari-fari-Gespräch (meistens), aber bei Freunden möchte ich es wissen.
Weil sie mir wichtig sind. Weil ich ihre Freuden und Sorgen teilen möchte, weil sie Bestandteil meines Lebens sind – seit langem, für lange oder gerade jetzt. Weil sie es genau so sind, die mich fangen, wenn mich alle anderen fallen lassen. Das erwarte ich von Freunden. 

Ich erwarte nicht, dass man mir aus Schottland eine Karte schreibt, dass die Kollegin aus der 7. einfach so für mich eine Tafel Schokolade öffnet, dass eine andere Praktikantin mir in der Küche einen Muffin sichert, und erst an meinem Platz feststellt, dass ich an diesem Tag im Urlaub bin und traurig abziehen muss. Ich erwarte keinen Strauss Flieder von meinem Vermieter. Aber ich freue mich unendlich, dass er ihn mir neulich einfach so in die Küche gestellt hat.

Es sind die kleinen Dinge, die mich so freuen. Die Menschen in meinem Umfeld, die mit diesen kleinen Dingen mein Leben bereichern, mir so viel Freude und Liebe schenken, die über dem zu erwartendem Standard sind.  

Und dann manchmal gibt es Menschen, von denen ich den Standard erwarte, weil ich weiß, dass ich ihnen wichtig bin –zumindest sagen sie es– und dass sie mir wichtig sind. Und meine Herren, wie es schmerzt, wie enttäuschend es ist, wenn genau diese Menschen ein Verhalten an den Tag legen, das so weit davon entfernt ist, das so entsetzlich weit vom Minimum liegt. Vermutlich halten diese Menschen ein einfaches, aber ehrliches „Wie geht es dir?“ für eine leere Floskel, denken, dass alles, was einen bewegt, sicherlich schon erzählt wurde, fragen nicht danach, was in letzter Zeit passierte, denn wenn es interessant wäre, hätte man es sicher von sich aus schon erzählt. Ich glaube, sie sind so, weil sie alles für selbstverständlich nehmen, mich für selbstverständlich nehmen. Selbst wenn ich lieb um eine bescheuerte Postkarte fragen würde, würde ich nur blöde, verständnislose Blicke ernten. Und es kränkt, weil man nach einer kleinen  Aufmerksamkeit oder einem angebrachten Lob nicht fragt. Nicht fragen darf, weil man dann nur das bekommt, wonach man fragt. Nicht das, was von Herzen aus kommt. Und ich bemühe mich für sie und ihr Verhalten Verständnis zu zeigen, obwohl ich von ihnen selbiges nicht entgegengebracht bekomme. Weil sie so sind. Weil man sie trotzdem lieb hat und gerne für sie da ist. Weil man Mensch ist. Und darum erwartet man, nachdem viele kleine Funken Hoffnung gestorben und immer wieder die Enttäuschung ein bisschen gewachsen ist, irgendwann nichts mehr. Trotz Versprechen, trotz Zusage, trotzdem. Weil man weiß, dass es für alles wieder eine so billige und dämliche Ausrede (nicht Entschuldigung) gibt. 

Aber warum gebe ich mich mit Menschen ab, an die ich keine Erwartungen stellen kann? Frage ich mich selbst, stelle fest, wie frustrierend es ist und enttäusche mich selbst. Weil ich darüber hinwegsehen möchte. Denn das kann man doch wenigstens von mir erwarten…

Schlüsselerlebnis

Juni 23, 2009

Griff in die Handtasche und da ist er, der Schlüssel. Unter anderem der Schlüssel zu meinem Auto, einer, um die Antenne abzuschrauben, der Schlüssel zu Papas Fahrradschloss und der Schlüssel passend zu meinem grünen GAP Herzanhänger. Und da dran, ein langes, gelbes Band, damit der Bund in der Tasche noch einfacher zu finden ist… denn lange suchen ist nervig. Und suchen und nervig gilt es zu umgehen.

Aber wenn ich weggehe, nehme ich ein kleines Täschchen und packe nur die wichtigsten Schlüssel ein. Und auf die passe ich dann auf wie ein Fuchs! So wie Sonntagnacht, als ich den kleinen Schlüsselbund  in die glitzernde Clutch Tasche warf und wir zum Matrosenball in Kiel gingen.

In der Nacht war ich um 2 Uhr wieder in Hamburg und pfefferte ein paar Sachen in mein schon völlig unaufgeräumtes Zimmer, kletterte aus deinem Ballkleid, machte das Licht aus und fertig. So musste ich nicht sehen, dass Klamotten, Schuhe, Taschen, Unterlagen –alles– seit vermutlich 2 Wochen durcheinander auf dem Boden, dem Schreibtisch und dem Stuhl verteilt sind. Am Morgen musste es schnell gehen, aber ich wollte wieder meinen großen Schlüsselbund dabei haben… aber wo genau habe ich die anderen Schlüssel denn noch mal hingepackt?! Große Glitzertasche, oder wie meine Freunde sie nennen: die tote Discokugel! Die hatte ich Sonntag noch mit beim Seifenkistenrennen. Reingreifen, nichts da.

Egal, bestimmt im Auto, machste heute Abend.

Im Auto war das auffällig leuchtende Band nicht. Ich schaute in allen Schuhen nach, in den 2 anderen Handtaschen, die ich an dem Wochenende dabei hatte, in meiner Klo-Tasche, in meiner Reisetasche… Am Ende räumte ich mein ganzes Zimmer auf, weil dieser verdammt bescheuerte Schlüssel doch irgendwo sein musste. Oder liegt er in Kiel, auf der Straße, weil er unglücklich raus gefallen ist? Wäre blöd. Ziemlich. Obwohl ich mir dann endlich einen neuen, schönen Schlüsselanhänger kaufen könnte… zum Beispiel den von… FELI, nicht vom Ziel ablenken lassen, du konsumgeiles Stück! Böse Gedanken! Du musst diesen bekloppten Schlüssel finden! 

Obwohl schon eine Maschine Wäsche lief, lief mein Wäschekorb schon wieder über — was in so einer kleinen Bude alles rum liegen kann. Alles, nur kein Schlüssel. Hey, aber da ist der HR Lipgloss, den ich immer suche! So, alle Schuhe nach links, alle Taschen nach rechts, jetzt mal Ordnung hier. Und da merke ich, dass die „tote Discokugel“ schwerer ist als sonst. Schwerer als nur Pailletten.

Schluesselerlebnis

Da, neben der Sonnenbrille, unter dem Blog-Buch, ha, da ist es, das gelbe Schlüsselband! Nicht mehr nervig, nicht mehr suchend beschließe ich, ab jetzt die Taschen immer links und die Schuhe immer rechts stehen zu haben. Oder ich kaufe einfach einen neuen, schönen, noch auffälligeren Schlüsselbund!

Fotografische Wirklichkeit

Juni 19, 2009

„Owww, das sieht ja toll aus!“ Man zeigt die Urlaubsfotos rum und alle Freunde kommentieren neidisch den Strand, die Beachboys und die Sehenswürdigkeiten. Alle kriegen einen Hauch von Ahnung, wie es wohl war… Aber keiner weiß, wie es ist, dort zu sein. Nur du, weil du die Fotos geschossen hast.

Es fiel mir schon öfter auf, aber dieses Mal besonders: Vor der Staatsoper in Hannover schoss ich mit meiner zugegebener Weise wirklich nur mittelmäßigen Handykamera ein Bild von dem Gebäude. Es faszinierte mich, ich liebe solche Gebäude. Sie sind so… ah, wunderbar! So schön, so anmaßend, sie stehen da und sagen „Hier bin ich und wer bist du, dass du einfach hineinkommst“. Ich würde fast sagen, dass ich Respekt vor solchen Gebäuden habe und nicht in meinen Gammel-Jeans da drin rumlaufen wollen würde, weil es dem Gebäude gegenüber nicht angemessen wäre. 

Hannover

Doch was zeigt dieses Foto? Irgendein Haus, total pixelig, ein paar Leute hier und da, ein bisschen Licht und es war wohl auch schon dunkel. Es zeigt nicht, wer mich im Arm hielt, es zeigt nicht, dass es noch fast warm draußen war, es zeigt nicht, dass die Leute alle redeten. Das alles sagt uns nur unsere Phantasie. 

Ein Foto vermittelt daher nur einen Teileindruck und nicht „das Ganze“, nicht die Wirklichkeit. Das kann es nicht für jemanden, der nicht da war, dabei war, als das Foto gemacht wurde. Denn das Bild riecht nicht, es macht keine Geräusche, es zeigt so wenig von so viel. Ein Bild kann die Sonne zeigen, aber nicht das Gefühl beschreiben, dass man hat, wenn die Haut von Sonnenstahlen erwärmt wird, sie verbrennt oder zu schwitzen beginnt. 

Auch Nahaufnahmen von Menschen sind nur eine Teilaufnahme. Oft kann man zwar an Gesichtern eine Emotion ablesen, aber nicht, was gerade passiert: Ob der erste schwarze Präsident gewählt wird, die letzten Schüsse beim entscheidenden Elf-Meter-Schießen fallen oder Romeo in Julia’s Armen verreckt. Man war nicht dabei, man weiß nicht genau, was da los war, ob das Foto gestellt war, der Fotografierte unbeobachtet war, was kurz vorher oder nachher passiert. (Von Photoshop möchte ich an dieser Stelle nicht anfangen: Ja, liebe Männer, die Mädels auf den Covers sehen wirklich so aus.) 

Wir haben die Möglichkeit –und wir nutzen sie auch– von überall her in Windeseile alles was wir sehen und was gerade passierte per Foto festzuhalten, online zu posten oder später ausgedruckt rumzuzeigen.

Doch ein Bild kann kein Erlebnis ersetzen.
Denn Erlebnisse sind zum Erleben da.

Unter sich

Juni 18, 2009

Hamburger und Düsseldorfer an sich sind grundsätzlich erstmal unterschiedlich. Der Akzent, der Humor, der Bach, der durch die Stadt fließt. Alles nicht so schlimm. Denn ich mag den Hamburger an sich, sehr sogar. Und doch war es wunderbar, mal wieder unter sich zu sein!

Ein Arbeitskollege, der auch aus Düsseldorf kommt, hat nach dem letzten Heimatbesuch einen Kasten gutes Schumacher Alt mitgebracht. Dieses galt es zu vernichten! ; ) Als er sich mit zwei alten Schulfreunde verabredete, lud er mich ein, mitzukommen.

Wir treffen uns an der Bahn und ich steige in das Auto seines Freundes. „D“-Kennzeichen, versteht sich.
Hier bin ich Mensch, hier steig ich ein!
Man begrüßt sich und stellt sich kurz vor.

„Ach, du bist auch aus Düsseldorf?!“

„Welche Schule hast du denn besucht?“

„Dann kennst du doch bestimmt…“

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Sieh an, vor mir sitzt der Patenonkel (wenn auch nur 8 Jahre älter als ich) von einem meiner engsten Vertrauten aus der Oberstufenzeit. Das gibt es nicht! Die Welt ist so ein Dorf! Grandios!
Zu Brot, Käse, Schinken, Peperoni, Obst und allem, was der Kühlschrank sonst noch so hergab, gibt es im Wohlerspark das ein oder andere Gläschen Schumacher und natürlich ein-zwei Killepitsch! Wir spielen Kupp (Wikinger Schach) und die Damen lassen die Herren gerne drei mal gewinnen – wir wollen ja keine Tränen sehen!

 
Man kennt sich nicht und doch versteht man sich. Man spricht über das schöne Hamburg, Düsseldorf im Wandel der Zeit, Gott und die Welt. Und man freut sich, in Hamburg zu sein. Heute, als Düsseldorfer, unter sich.

Lange nicht mehr süß.

Juni 12, 2009

Muffin-Alarm

Es ist jetzt 20 Tage her.
Seit 20 Tagen wurden im Hause Feli keine Schokolade, keine Chips und kein Süßkram mehr gegessen. Keine Muffins, kein Kakao, kein Mocha. Sage und schreibe, geschlagene 20 Tage. Und ich muss zu meiner eigenen Überraschung sagen: Es war ein Spaziergang (naja, zu 99%). 

Wir waren Grillen, hatten schon gegessen, kippten langsam ein Bier nach dem anderen in uns rein und für gewöhnlich greife ich ständig in diese Schale, die nie lange bis zum Rand, mit Chips gefüllt ist. Ansage an meinen Kopf: Lass das. Kopf gibt Befehl an Hände, Hände lassen das. Fertig. Keine Überlegungen, eine Ausnahmeregelung für „Besondere Events außerhalb der regulären Öffnungszeiten“ zu kreieren, einfach nein. 

Irgendwann anders hatte meine Mutter Kuchen gebacken, als ich zu Besuch war. Für vor und nach dem Essen, so zum Naschen. So ein richtig richtig leckerer Butterkuchen – weiß ich daher, weil er immer richtig richtig lecker ist. Gleiche Ansage an meinen Kopf, gleiche Ansage an meine Hände, gleiches Ergebnis. 

Überrascht bin ich. Weil Schokolade sonst eigentlich einen sehr wichtigen Platz in meinem Leben einnimmt. Und auch in größeren Mengen verzehrt wird. Genau so dieses Fruchtgummizeug. Zu Hause liegt noch ein Baumkuchen und eine volle Tüte Chips. Beides unangetastet. Vielleicht macht das die Sache auch so einfach. Vielleicht, weil man weiß, dass man, wenn man wirklich will, einfach zugreifen kann. Das zu wissen hebt dieses Gefühl von „wollen, was man nicht haben kann“ irgendwie auf. 

Warum das ganze? Weiß ich nicht. Eine Freundin hatte mir erzählt, dass sie während der Fastenzeit, also 7 lange Wochen, keine Schokolade gegessen hat. Das fand ich bemerkenswert und absolut nicht machbar. Darum wollte ich schauen, wie lange ich es schaffen kann. Nicht, um mit ihr zu wetteifern, sondern so, für mich.  

Sie hat außerdem 7 Wochen keinen Alkohol getrunken. Aber ganz ehrlich: den Weg geh ich ein anderes mal! Und dann trink ich abends Kakao!

23 und ein bisschen

Juni 11, 2009

Ich wasche mir die Hände, schaue dabei in den Spiegel. Die Farbe im Gesicht ist verschmiert. Wie siehst du eigentlich aus? Und da sind Sommersprossen. Jede Menge. Du siehst aus wie immer. Unter dem Make-up kann man sie fast nicht sehen. Aber da sind sie wieder, so wie in den letzten 23 Jahren.

23 Jahre und ein bisschen was bist du schon alt?, dachte ich plötzlich. Das ist fast ein Viertel Jahrhundert. So lange dauerte fast der Dreißigjährige Krieg…

23 Jahre und ein bisschen? Was ist denn so passiert? In 23 langen Jahren und einem bisschen? Und so verliere ich mich in Gedanken: Ich habe mitbekommen, wie 2 Schwestern groß wurden, wie sich die Eltern ‘auseinanderlebten’, ich war auf 3 verschiedenen Schulen, habe 2 verschiedene Schulabschlüsse und eine abgeschlossene Ausbildung. Ich bin einmal mit der Family umgezogen, aber da war ich noch klein und jetzt wohne ich in Hamburg. Mein weitester Flug ging in die USA, nein, nach Kapstadt. Bisher habe ich 2 Haustürschlüssel verloren oder nur einen? Einen Autounfall hatte ich, und 2 feste Freunde — den Engländer und die 10 Tage, die wir hatten, zähle ich nicht mit. Haha, wir haben ganz schön viel gefeiert. Und ganz schön viel gekauft. Und ganz wenig Schule geschwänzt und uns oft ganz viel auf uns eingebildet. Haha!  Mit 14 habe ich Mama gesagt, dass ich mit 16 ausziehen werde. Mit 16 lebte ich aber in einer anderen Zeitzone. Im Prinzip zog ich erst mit 22 aus! Obwohl ich schon mit 17 Grund genug gehabt hätte. Ich war 2 mal snowboarden, habe mich aber gefühlte 2.000 mal hingelegt und entschieden, dass ich es nie wieder tun werde. 23 Jahre und ein bisschen und ich stehe gerade in Hannover rum und…

„Na, was suchste? Den gestrigen Tag?“ Sein Mitbewohner reißt mich aus meinen Gedanken.

„Nein, den morgigen.“ 

Ich muss lachen und er auch. Wie freu ich mich auf die nächsten 23 Jahre, die vergehen, während ich ein bisschen was erlebe…

Ein Jahr

Juni 11, 2009

Natürlich, war ja klar, anbei verspätet mein Abschiedsgeschenk. Das Buch, von dem ich hoffe, dass es dir gefällt und ein kleines Andenken an zu Hause, Hamburg, uns, mich. Natürlich im Scheckkarten-Format. 

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Damit du mich nicht vergisst. Weil ich dich nicht vergessen werde. Weil ich Samstag erst merkte, was das heißt, wenn du weg bist. So weit. So lange. Und ich hier, ohne dich.

Ich wünsch dir alles erdenklich Gute, es ist ja nur ein Jahr. Dann irgendwann oder danach kommst du ja vielleicht zurück. Nur ein Jahr, das sind gerade mal 12 Monate. Das geht also. Einmal Sommer, einmal Herbst, einmal Winter, einmal Frühling. Einmal dein Geburtstag und einmal meiner.  Also nicht so schlimm. Wenn man bedenkt wie lange man sich schon kennt… Dass ich am Tag meiner Führerscheinprüfung dein Auto fahren durfte, dass du schon vor Jahren wusstest, dass ich drei Pain au Chocolat auch esse, wenn ich vorher 5 mal sage, dass ich keine möchte, dass du mich „aus Spaß“ so feste geschlagen hast wie zuvor kein anderer und auch ein genau so böses Echo zurück bekommen hast. Dass du mich bei 40 Grad Fiber erst verarscht und geärgert hast, dich danach so rührend um mich gekümmert hast. Als einziger hast du mir ins Gesicht gesagt, dass ich manchmal ein egoistisches Miststück bin, hast mich mit den verachtesten Blicken gestraft, mir Mut gemacht, Anerkennung gezeigt und warst standhaft, wenn ich durch den Wind war. 

Nur ein Jahr. Ein Jahr ohne dein Auto in der Einfahrt, um zusammen nach Köln zu fahren, mit Musik, bei der man ganz laut mitsingen kann und alles andere vergisst. Ohne Spanien oder Frankreich, ohne tanzen am Fenster, ohne drei Flaschen Weisswein vor dem Frühstück. Und es wird mir auch keiner mehr Orangensaft ans Bett bringen und heimlich Bacardi reinmischen und gespannt zu sehen, ob ich wohl was merke…

Kein Mocha mehr mit Low-Fat-Milch, kein „walking wine and wasting time“, kein Tabasco Wettrennen.  

Ein Jahr ohne ausschlafen, weil es außer dir niemand geschafft hat, mich zum Ausschlafen zu bewegen. Aber vor 10 Uhr werde ich bei dir einfach nicht wach.

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Ein Jahr ohne die Aufbackbrötchen, die du immer für sonntags gekauft hast. Ein Jahr ohne Butter, denn selbst die habe ich bei dir gegessen. Und diesen einen Käse und immer den gleichen Aufschnitt. Ohne dich schmeckt das ganze Zeug aber nicht.

 

Zusammen haben wir mehr geraucht, getrunken und gefeiert als es gut für uns war… Obwohl es doch immer gut war.

Du bist einzigartig und mein bester Freund. Du kennst mich lachend und weißt, wann ich weine. Und für beides kannst du der Grund sein.

 

Und du wirst mir fehlen. Dabei ist es nur ein Jahr.

Whatever

Juni 10, 2009

whateveris no statement.