Ich trage mein gutes Hemd, das neue karierte. Sie kommt auf mich zu. Es ist circa 3 Uhr morgens und ich bin in einer Bar, hier auf der Schanze. Sie begrüßt mich mit einem freundlichen „Hi!“, hält ihr Bierchen -offensichtlich nicht ihr erstes- in der Hand und fragte mich out of the Blue, was ich beruflich mache. Ich bin verwirrt, fange kurz an zu stottern, erkläre aber dann, dass ich Selbstständiger bin. Das reicht ihr nicht. Frauen in Miniröcken werden immer dreister. Dass ich in der IT-Branche arbeite und mit Logistik zu tun habe, erzähle ich ihr. Sie bedankt sich für die Info, gratuliert mir zu meinem Anzug, dreht sich um und geht zu zwei an der Seite stehenden Anzugträgern. Denn Anzugträger und was sie machen interessiert sie, sagte sie. Was sollte das? Warum gibt es in Hamburg so oberflächliche Frauen? Wenig später sehe ich, dass der eine Typ geht. Kurz darauf knutscht sie mit dem anderen rum. Danach verlassen sie zusammen die Bar… Typisch Frau, so sieht es zumindest aus.
Er kann sich einfach nicht entscheiden, dieser besoffene Trottel. „Ähm, ja. Ein Becks bitte. Achnee, lieber Astra…. Wobei, habt ihr Jägermeister…?“ Freundlich sage ich ihm, dass er doch kurz Platz nehmen soll und bediene das Mädchen in der grüne Jacke. Sie lächelt, erkennt die Situation und fängt an rumzualbern „Ja, hmm… Also, ich hätte gerne alle Getränke, die auf der Karte stehen. Außer die mit ungeraden Preisen… Die hätte ich gerne zwei mal. Oder doch lieber nicht?!“ Sie lächelt. Ich muss lachen. „Drei Astra, bitte!“ Wenigstens hat die Frau Humor, der dämliche Spinner rätselt immer noch. „Ganz schön kniffelig, was?“, sagt sie und stößt ihn an. „Ja… ach weißt du…“ Doch dann fällt sie ihm ins Wort, damit er sie nicht volllabert und rät ihm, ein Astra zu bestellen. Sie bezahlt, bedankt sich und trifft die beiden Jungs, mit denen sie reingekommen war. Irgendwie witzig, dass sie in der grasgrünen Jacke mit Sakko- und Anzugleuten rumhängt. Sie laufen rum. Ich schaue noch mal kurz rüber, da quatscht sie mit jemand anderem, muss ein flüchtiger Bekannter sein, sie ist schnell wieder weg. Später läuft der Bekannte noch ein bisschen durch die Bar. Als er sieht, dass sie mit dem Typen im brauen Sakko rummacht, starrt er nur blöd. Typisch Ex-Freund, so sieht es zumindest aus.
Wir sind uns nicht sicher, was das für ein Typ ist, der da mit dem karierten Hemd und dem _______ Anzug durch die Bar hüpft. Wir sind zu dritt, meine Herren haben sich mal wieder etwas mehr in Schale geworfen als ich, aber danach ist mir nicht, wenn ich auf der Schanze weggehe. Sie fallen verbal über diesen Typen her, über sein Karohemd, das gar nicht geht. „Der ist Architekt!“, sagt der eine. „Nein, Bauingenieur“, entgegnet der andere. Denn das sind die einzigen Berufe, die Karohemden durchgehen lassen. Mir reichen die Vermutungen nicht, ich fang ihn auf dem Rückweg seines Toilettengangs ab.
„Hi!“
„Hi.“
„Sag mal, was machst du eigentlich beruflich?“
„Ich? Also, ich bin Selbstständiger.“
„Wow! Und was genau machst du da?“
„Das ist so was mit IT und Logistik, weißt du?“
„Hm. Klingt spannend! Vielen Dank für die Info und übrigens toller Anzug!“
„Stopp, was soll das?“
„Achso, nein, ich interessiere mich nur so für Anzugträger und was sie beruflich machen…! Tschüss, schönen Abend noch!“
Ich berichte den Jungs von dem Ergebnis. „Natürlich, IT!“ Als unser Bekannter geht, blicke ich kurz zu Bar, wo immer noch der betrunkene Vogel sitzt und frage mich, ob er mittlerweile ein Getränk gewählt hat. Wir bleiben noch kurz, trinken unser Bier aus. Nachdem ich meinen Freund geküsst habe, schaue ich über seine Schultern und sehe den Karohemd-Typ, der das Geschehen beobachtet und seine Augen nicht von meinen Händen, die nun absichtlich am brauen Sakko abwärts wandern, lassen kann… Typisch, dass er wenigstens zu gucken möchte. Zumindest sieht es so aus.
Mai 28, 2009 um 1:47 |
Und wenn dieser eine Anzugträger wenigstens die Augen hätte offenhalten können, während er aus der Bar raustorkelte…