Archiv für Mai 2009

Einen an der Murmel

Mai 26, 2009

Wir laufen über den Flohmarkt und finden diesen ganzen alten Pillepalle, den kein Mensch mehr braucht. Nicht zuletzt: die Verkäufer. Spazierstöcke, Briefmarkensammlungen, alte Platten, Silberbesteck,… Und dann diese alten Erinnerungsstücke: völlig sinnfreie Gegenstände.  

Aber mittendrin, diese Blechdose mit wunderbarem Inhalt. Gefüllt mit runden, bunten Glaskugeln. Stehenbleiben. Ich halte sie in der Hand. Was hat man früher denn noch mal damit gemacht? Als Kinder haben wir doch immer damit gespielt…
Angestrengt denke ich darüber nach, was wir damit früher gespielt haben, kann mich aber auch an keinen Streit mit meinen Schwestern erinnern, aufgrund dieser eigentlich ja unnützen Dinger. Dann rolle ich sie durch meine Handinnenfläche und sehe sie wieder an. Wie schön klein und bunt sie sind… 

Murmeln

Ich überlege sie zu kaufen. Es ist sinnfrei, sehr sinnfrei. Zu Hause würde ich sie nur ansehen und sie würden zustauben. Aber ich finde sie gut, jede einzelne, auf ihre Art und Weise.
Doch alle Gedanken zu der Dose verwerfe ich, ich erwähne sie nichtmal laut. Denn würde ich meiner Begleitung davon erzählen, würde er denken, ich hätte völlig einen an der Murmel. 

Anzüge und wie das zumindest aussieht

Mai 22, 2009

Ich trage mein gutes Hemd, das neue karierte. Sie kommt auf mich zu. Es ist circa 3 Uhr morgens und ich bin in einer Bar, hier auf der Schanze. Sie begrüßt mich mit einem freundlichen „Hi!“, hält ihr Bierchen -offensichtlich nicht ihr erstes- in der Hand und fragte mich out of the Blue, was ich beruflich mache. Ich bin verwirrt, fange kurz an zu stottern, erkläre aber dann, dass ich Selbstständiger bin. Das reicht ihr nicht. Frauen in Miniröcken werden immer dreister. Dass ich in der IT-Branche arbeite und mit Logistik zu tun habe, erzähle ich ihr. Sie bedankt sich für die Info, gratuliert mir zu meinem Anzug, dreht sich um und geht zu zwei an der Seite stehenden Anzugträgern. Denn Anzugträger und was sie machen interessiert sie, sagte sie. Was sollte das? Warum gibt es in Hamburg so oberflächliche Frauen? Wenig später sehe ich, dass der eine Typ geht. Kurz darauf knutscht sie mit dem anderen rum. Danach verlassen sie  zusammen die Bar… Typisch Frau, so sieht es zumindest aus. 

 

Er kann sich einfach nicht entscheiden, dieser besoffene Trottel. „Ähm, ja. Ein Becks bitte. Achnee, lieber Astra…. Wobei, habt ihr Jägermeister…?“ Freundlich sage ich ihm, dass er doch kurz Platz nehmen soll und bediene das Mädchen in der grüne Jacke. Sie lächelt, erkennt die Situation und fängt an rumzualbern „Ja, hmm… Also, ich hätte gerne alle Getränke, die auf der Karte stehen. Außer die mit ungeraden Preisen… Die hätte ich gerne zwei mal. Oder doch lieber nicht?!“ Sie lächelt. Ich muss lachen. „Drei Astra, bitte!“ Wenigstens hat die Frau Humor, der dämliche Spinner rätselt immer noch. „Ganz schön kniffelig, was?“, sagt sie und stößt ihn an. „Ja… ach weißt du…“ Doch dann fällt sie ihm ins Wort, damit er sie nicht volllabert und rät ihm, ein Astra zu bestellen. Sie bezahlt, bedankt sich und trifft die beiden Jungs, mit denen sie reingekommen war. Irgendwie witzig, dass sie in der grasgrünen Jacke mit Sakko- und Anzugleuten rumhängt. Sie laufen rum. Ich schaue noch mal kurz rüber, da quatscht sie mit jemand anderem, muss ein flüchtiger Bekannter sein, sie ist schnell wieder weg. Später läuft der Bekannte noch ein bisschen durch die Bar. Als er sieht, dass sie mit dem Typen im brauen Sakko rummacht, starrt er nur blöd. Typisch Ex-Freund, so sieht es zumindest aus.

 

Wir sind uns nicht sicher, was das für ein Typ ist, der da mit dem karierten Hemd und dem _______ Anzug durch die Bar hüpft. Wir sind zu dritt, meine Herren haben sich mal wieder etwas mehr in Schale geworfen als ich, aber danach ist mir nicht, wenn ich auf der Schanze weggehe. Sie fallen verbal über diesen Typen her, über sein Karohemd, das gar nicht geht. „Der ist Architekt!“, sagt der eine. „Nein, Bauingenieur“, entgegnet der andere. Denn das sind die einzigen Berufe, die Karohemden durchgehen lassen. Mir reichen die Vermutungen nicht, ich fang ihn auf dem Rückweg seines Toilettengangs ab.

„Hi!“

„Hi.“

„Sag mal, was machst du eigentlich beruflich?“

„Ich? Also, ich bin Selbstständiger.“

„Wow! Und was genau machst du da?“

„Das ist so was mit IT und Logistik, weißt du?“

„Hm. Klingt spannend! Vielen Dank für die Info und übrigens toller Anzug!“

„Stopp, was soll das?“

„Achso, nein, ich interessiere mich nur so für Anzugträger und was sie beruflich machen…! Tschüss, schönen Abend noch!“

Ich berichte den Jungs von dem Ergebnis. „Natürlich, IT!“ Als unser Bekannter geht, blicke ich kurz zu Bar, wo immer noch der betrunkene Vogel sitzt und frage mich, ob er mittlerweile ein Getränk gewählt hat. Wir bleiben noch kurz, trinken unser Bier aus. Nachdem ich meinen Freund geküsst habe, schaue ich über seine Schultern und sehe den Karohemd-Typ, der das Geschehen beobachtet und seine Augen nicht von meinen Händen, die nun absichtlich am brauen Sakko abwärts wandern, lassen kann… Typisch, dass er wenigstens zu gucken möchte. Zumindest sieht es so aus.

Es gibt, was es zu Hause nicht gibt.

Mai 20, 2009

Ich springe in den Supermarkt. Wasser, Wein, so jetzt haben wir ja alles… NEIN, stopp! Der Freund kommt morgen.

Wir brauchen also was zu Essen. Morgenabend, bevor wir losziehen. Nudeln mit Pesto wäre wohl die einfachste Alternative. Alternative zu was?! Das gab es letztes Wochenende und, wenn man ehrlich ist, immer, wenn ich das Zepter in der Hand halte…

Aber zu Nudeln muss man doch noch was anderes essen können, denke ich mir. Alles, was mit Fleisch zu tun hat, weglassen. Also zu Nudeln könnte man… ich laufe durch die Gänge… Ah, Oliven. Nein, Oliven sind das Einzige, was er nicht mag.

Da, Brot. Mmmm, leckeres Brot könnte man kaufen. Ja, is’ klar! Wie toll ist das denn?! Brot wieder zurücklegen.

Käse. Isst er eigentlich Käse? Meistens lassen wir ja das Frühstück ausfallen und essen direkt was warmes, weil es die Uhrzeit und das Gefühl gerade so wollen.

Reis. Reis ist gut. Mal was Neues, hach, wie schrecklich kreativ. Und zu Reis isst man … kein Pesto! Aber Paprika und so was… Vor meinen Augen sehe ich die fertige Reispfanne. Und wie sie in den Müll wandert, weil sie eigentlich eher ungut schmeckt.

Vielleicht ist es auch meine Küche. Meine Küche ist nämlich bei Weitem nicht so gemütlich wie seine.

„Sag mal, worauf hättest du morgen Abend eigentlich Lust… So essenstechnisch?“

„Sollen wir nicht essen gehen?“

Ein Teil von mir schreit „JA!“, der andere „Nein!“, heraus kommt ein „Mmmmh…“

Hin und her, ich laufe weiter. Warum kann er das alles und ich nicht? Warum kann er nicht nur so gut kochen, sondern wüsste jetzt auf Anhieb, was zu Reis, Nudeln, Kartoffeln und Co. ganz ausgezeichnet passen würde? Warum ist es eigentlich immer besser, wenn er es macht?

Für mich holt er die Jakobsmuscheln raus, oder Garnelen, so gar in Speckmantel. Und selbst wenn nicht, gibt es dies und das mit solchem und jenem… Und er steht einfach da und guckt zu, wie sich mein kulinarischer Horizont erweitert. Bei ihm gibt es immer diesen Wein, den er so mag und ich auch, was auch immer auf den Teller kommt, schmeckt nicht nur, sondern sieht auch immer so liebevoll hergerichtet aus. Es gibt immer irgendwas, was es zu Hause nicht gibt. Und natürlich übertrifft auch die Playlist auf seinem Mac meine, weil ich keine habe. Sondern nur Radio.

Das einzige, was er nicht kauft, ist Schokolade. Weil sie so schnell weg ist und so schnell dick macht.

Seine letzte Worte gehen mir durch den Kopf: „Ach, dann kauf jetzt irgendwas und wir gehen morgen essen…“

Er hat Recht. Weil sich bis morgen alles noch mal ändert. Nudeln kaufe ich trotzdem, und Pesto, rotes, nicht grünes, wie letztes Wochenende. Und Brot und Käse. Vielleicht mag er den ja. Und Schokolade. Denn die gibt es bei ihm zu Hause nicht…

Flaschenimage

Mai 15, 2009

Es ist Freitag und ich hätte gestern nicht so lari fari 2 Flaschen Wein leeren sollen. Ich sehe es ja ein. Und ich sehe auch, dass meine Haare nicht geföhnt sind und ich zu spät dran bin.

Am Bahnhof kaufe ich mir eine Flasche MezzoMix, weil ich mich nicht zwischen Cola und Fanta entscheiden kann. Bei uns zu Hause gab es so was nie, Cola und Fanta, meine ich. Aber jetzt brauche ich Zucker, sonst wird das heute nichts.

In der Bahn kriege ich komische Blicke zugeworfen. Er guckt auf mein oranges Kleid oder viel mehr auf den Teil, den es nicht bedeckt. Aber sie, vielleicht selbst eine Mutter, starrt auf mein Getränk. Sie muss denken, dass ich so was jeden Morgen trinke, wie andere Kaffee. Sicherlich denkt sie jetzt, dass ich mich nur von Müll ernähre, morgens Cola, mittags McDonalds, abends Chips und Schokolade bis der Arzt kommt. “Tu ich nicht, ehrlich!“, denke ich. Aber sie anzusprechen und ihr zu erklären, dass ich auf meine 3l Wasser am Tag achte und kein Nutella esse, ist mir auch zu blöd. 

Um mich herum schlagen plötzlich alle ihre Zeitungen auf. Der junge Typ, Ende 20, vermutlich Student, hält das Handelsblatt, die Frau gegenüber liest die Welt und der Mann im Anzug die Hamburger Morgenpost. 

Und ich? Ich verkrieche mich in meinem orangefarbenden Kleid hinter meinem Nokia E71. „Typisch junges Pack!“, muss die Frau jetzt denken…

Doch dann holt sie einen gelben Coffee-To-Go-Becher raus. WAS? Wie sieht das denn aus?! 

Jetzt bemerke ich, dass wenigstens bei mir alles stimmig ist. Der Orangeton findet sich auf der Flasche und dem Kleid, die Farbe des Getränks ähnelt meiner Haarfarbe und mein Handy passt zu den Schnallen meiner Stiefel. 

Zuckerwasser hin oder her, wenigstens sieht es gut aus!

Felicitas hat dich zu Facebook eingeladen…

Mai 8, 2009

Ach wirklich?! 

Frage:
Warum schickt mir Facebook einen Link an meine S&F-Adresse, die ich übrigens nicht online angebe (weil ich ja nur vorübergehend hier bin), um mich darüber zu informieren, dass ich mein Freund werden möchte?! 

Facebook

Eine Farbe, ein Problem

Mai 7, 2009

Ich bin kein Joop!-Mensch. Ich kann weder dem Designer und seiner Tochter, noch der Kleidung was abgewinnen. Vermutlich wird jetzt jemand sagen, dass ich auch sonst kein Luxusmarken-Mensch bin. Stimmt. Weil ich für die meisten fast alles übrig habe – außer Geld, versteht sich. Aber der Mensch darf noch träumen, von vielen schönen, bunten Dingen, die er niemals nie besitzen wird…


In Gedanken oder einfach in Hamburg verloren, lief ich durch die Straßen und schaute gegenüber in das Schaufenster von Joop Täschen... Joop! und sah sie, diese pinken Taschen. Fast im gleich Moment war ich auch auf der Straße, im Schnellschritt zur anderen Straßenseite und blieb erst stehen, als man ungefähr schon meinen Nasenabdruck auf der Fensterscheibe sehen konnte.
Da. Pink. Schön.
„Nein“, sagte plötzlich eine -fremde- innere Stimme. „Nicht alles, was glänzt, ist Gold und nicht alles, was pink ist, ist auch schön. Du magst Joop! nicht und darum wirst du niemals diese Tasche besitzen wollen. Auch, wenn du es können würdest.“
Recht hatte die fremde innere Stimme und ich lief weiter.

1Wir laufen in den Schuhladen, obwohl ich mir ein Schuhkauf-Verbot für diesen Monat auferlegt habe. Rechts Ballerinas. Hin. Hinweis: Ich mag Ballerinas nicht besonders. Hinweis 2: Sie waren pink.
Gesehen, angefasst, zurückgestellt, weiter. Eine Ecke weiter: Wieder bleibe ich stehen, wieder Ballerinas, wieder… ach, Hinweise, siehe oben.
2
Sie guckt mich an, sagt nichts und geht weiter.
Als wir dann aber einen Laden später, trotz meines Eigentlich-Alles-Kauf-Verbots für diesen Monat, zwischen ganz vielen tollen Oberteilen und Halli-Galli-Zeug landen, finde ich sie: diese Haarbürste…! 
„Feli, die brauchst du nicht. Die ist einfach nur pink!“, sagt sie. Nicht die innere Stimme, sondern meine Begleiterin. „Schon mal aufgefallen, dass so wie Kinder zu Süßigkeiten, du zu allem, was pink ist, rennst?“

Vielleicht brauche ich eigentlich gar kein Alles-Kauf-Verbot, sondern nur eine neue Regelung, die besagt, dass ich nichts pinkes mehr kaufen darf… Naja, orange, lila, gelb und grün sind ja auch ganz hübsche Farben…

Düsseldorfer, winken!

Mai 6, 2009

Ich achte ja gerne mal auf Kennzeichen von Autos. Auf der Autobahn, um vorübergehende Freunde zu finden. Aber auch in Städten, vor allem außerhalb 100 km der Stadtgrenze. Denn da ist man nicht mal eben. 

Wenn ich hier in Hamburg Autos aus München, Frankfurt oder von irgendwo anders weiter weg sehe, muss ich mich immer automatisch fragen, was sie hier wohl machen. Manchmal verbinde ich Kennzeichen auch direkt mit Leuten oder Events: Sehe ich welche aus Essen, denke ich an eine Freundin, die dort wohnt, Autos aus Kiel verbinde ich mit den Kieler Wochen, bei Berlinern denke ich an die Love Parade und bei Hannover, naja, kann man sich ja denken…

Besuchen sie Freunde oder Familie? Arbeiten sie hier, so wie ich? Ist es nur ein Leihwagen? Kommen sie zu einer Party oder einer Beerdigung, zu einer Hochzeit oder um ihrer Freundin beim Auszug zu helfen? 
Zugegeben: Bei Kölner bin ich immer ziemlich sicher, dass sie sich einfach nur verfahren haben.

Ja, man kann sich den Tag mit ganz vielen Gedanken, die einem nichts bringen und auch keine Antworten kriegen werden, vertreiben. Aber die ersten Reaktion auf Düsseldorfer Kennzeichen ist ein Winken. Auch, wenn ich die Personen nicht kenne, so viel Freundlichkeit muss sein!
Wenn ihr also in einer fremden Stadt seid und ein Mädchen euch plötzlich anlächelt und zu winkt, bleibt stehen und geht mit ihr einen Kaffee trinken! Denn ein Alt ist vermutlich nicht in der Nähe…!