Es passiert morgens, abends, tagsüber, eigentlich kann es fast immer und überall passieren. Weil man sich doch für ein anderes paar Schuhe entschieden hat, es regnet oder weil man jemandem noch ein oder zwei Bücher mitbringt, wechselt die Frau ihre Handtasche. Sie macht es übrigens auch, wenn es keine praktischen, sondern nur „Nö, die finde ich jetzt angemessener“-Gründe gibt.
Die eine Tasche auf: Kaugummi, Timer, Portemonnaie, Handy, Taschentücher, durchsichtiger Lipgloss, Stöpsel fürs Handy, USB-Stick, Bevor-ich-es-vergesse-Buch, Haustürschlüssel, Regenschirm, Sonnenbrille, Lippenpflegestift, Fäustlinge in pink, Handschuhe in bunten Streifen, vielleicht ein Lidschatten oder zwei, eventuell Post-its, rosa Lipgloss, meistens noch ein Kugelschreiber und noch einer in Reserve, falls der andere nicht funktioniert, nach Tageslaune Zigaretten, Streichhölzer oder ein Feuerzeug…

Und all das in die andere Tasche… Weil wir heute nicht in Lipglosslaune sind, lassen wir den ganzen Müll… außer einen… mal in der alten Tasche. Das Kleingeld auch. Den Kontoauszug brauchen wir in der Stadt auch nicht. Jetzt aber los.
Freitagabend. Es muss schnell gehen, denn gleich kommt meine Bahn und ich bin nicht richtig fertig, weil alles nicht so ist, wie es sein soll und Chaos. Welche Tasche? Die kleine grüne, die ich meistens am Wochenende zum Weggehen nehme, weil sie so schön klein und grün ist. Da passt nicht viel rein, das ist ein Vorteil. Ich öffne sie. Aha! Das Restgeld von meinem Besuch bei McDonalds, bevor ich letzten Samstag nach Hause gefahren bin, liegt noch drin. Sehr schön. Und eine halbvolle Schachtel Zigaretten. Und das Minitäschen, das ich am Wochenende mitnehme, damit ich den Rest (Krankenkassekarte, Visitenkarten, Holmes Place Towel Card,…) zu Hause lassen kann. Sehr gut, wenn man so vorbereitet ist! Aber wo ist der Lipgloss, der durchsichtige? Ewig nicht gesehen, das Zeug… Schade irgendwie. Hilft nichts, suche ich morgen nach.
Samstagmorgen. Naja, Samstagmittag. Gleich geht es in die Stadt zum Kaffeetrinken. Heute die braune Handtasche, die passt so gut zum Mantel. Wo ist der lila Lidschatten eigentlich? Davon ein kleines bisschen würde ganz gut zu meiner Bluse passen… Badezimmer? Nicht da. Hm. Findet sich…
Letzte Woche. Ich greife heute mal wieder auf gelbe MD Tasche zurück, weil es so schön sonnig ist und ich finde, dass es für heute die richtige Tasche ist. Ich packe meinen Schnick-Schnack, den ich vermutlich nicht unbedingt brauche, aber so was weiß man ja vorher nicht, aus der olivgrünen Tasche in das Hauptfach der gelben Tasche. Dann öffne ich das kleinere Fach. Siehe da, der Lipgloss! Mensch, den habe ich ja ewig nicht gesehen! Wie schön… Dass der in dieser Tasche ist.. Damit hätte ich nicht gerecht. Irgendwie hatte ich mich auch schon damit abgefunden, dass er weg ist, verloren vermutlich, geklaut, eher unwahrscheinlich.
Vor Hamburg habe ich meine Taschen nicht durchsucht nach irgendwas, was ich brauche oder zu Hause lassen könnte. Nein nein, ich mag sie, diese kleinen Überraschungen! Ein Kassenzettel über 2 Nugatmuffins und 2 Mocha, die Geburtstagskarte von meiner Schwester, ein Bierdeckel mit einer fremden Telefonnummer, alte Einkaufszettel, die Taschentücher mit den Weihnachtsmännern drauf – keine Ahnung, woher die kommen.
Es ist ein bisschen Spannung, Spaß und Spiel in einem. In meinen Taschen!