„Komm Schätzchen, Foto!“ Noch einmal die Schultüte in die Hand und nochmal lächeln. Aber man macht es gerne, denn ab heute gehört man zu den „Kleinen Großen“, man ist jetzt Mitglied in dem „Ich-gehe-schon-in-die-Schule“-Club, viel besser als Kindergarten. Und meine Tante streichelt mir über die Haare und sagt dann „Ja, Liebes, jetzt fängt der Ernst des Lebens an.“ ‘Yes, Baby, der Ernst des Lebens soll ruhig kommen!’, dachte ich mir wahrscheinlich damals und nahm mir vor, niemals nicht die Hausaufgaben zu machen, ein Vorzeigeschüler zu sein und nie nie nie schlechte Noten zu schreiben. Zusammengefasst wurde daraus nichts. Aber, man schickte mich danach aufs Gymnasium, wo Papa dann nach dem Einschulungsgottesdienst sagte: „Ja, Feli, jetzt hau mal rein. Hier beginnt der Ernst des Lebens.“ Und Ernst kam, genau wie Lars und Peter, und schwups war ich mit der 10. Klasse fertig und stand am Flughafen, ein Jahr Staaten war angesagt. „Da ist dein Gate, oh je, jetzt wirds wirklich ernst.“, sagte mein damaliger Freund. Wieder zurück, ab in die 11. Klasse und zu Anfang der 12. sagte mein Leistungskurslehrer dann noch mal kurz die magischen Worte „Ihr Lieben, seid jetzt bitte still. Ab jetzt sind alle Noten relevant für euren Abiturschnitt. Es wird jetzt ernst. Nicht, dass ihr später sagt, ich hätte euch das nie gesagt.“ Alles klar, die Ansage haben wir ernst genommen. Und dann war es vermutlich der Direktor, in seinem schicken, schwarzen Anzug, der uns noch mal zur Vorabiklausur und zu den Abiklausuren, zur mündlichen Prüfung und zur mündlichen Nachprüfung zu verstehen gab, dass es nun wirklich ernst wurde. Ja, die Lage war ernst. Und ernst war die Lage auch, als ich am 1. Arbeitstag einen -übrigens klitzekleinen (es hätte niemand gemerkt, hätte ich es nicht gesagt)- Kratzer in den Mini Cooper der Chefetage gefahren habe! ‘Tief atmen’, dachte ich, ‘jetzt wirds ernst.’ und musste die Sache beichten.
Und ja, ernst ist die Lage auch jetzt wieder. Meine Abschlussprüfung steht an. Nein, ich spiele es nicht hinunter, ich mache mich da nicht drüber lustig. Ehrlich, ernsthaft nicht. Aber als meine Schulfreundin heute morgen um halb 8 anrief und mich aus dem Komma holte - mein bester Freund hatte gestern Geburtstag und irgendwie wollten Tequila, Grappa, Wein und Bierchen kein Ende nehmen – und durchs Handy rief “Moin Feli, ich bin gleich bei dir, wir müssen lernen. Mensch ist das viel! Wie man schaffen soll?! Hab das Auto voller Bücher, alles dabei.“, wusste ich nur eins: Es wird Zeit, dass die Lage aufhört ernst zu sein.